Telekom will Sportwetten anbieten? Wir zeigen die Hintergründe

Sportwetten werden in Deutschland immer beliebter. Laut einer Statistik des Deutschen Sportwettenverbandes (DSWV) ist der Sportwetten-Umsatz allein im Jahr 2014 um 20% auf insgesamt ca. 4,5 Milliarden Euro angestiegen. Da gerade im Allgäu sehr viele Fans des FC Bayern München wohnen, dürfte ein nicht unerheblicher Anteil an den Sportwetten auch aus der Region kommen. Die deutsche Telekom plante bereits seit längerem, in diesen Markt einzusteigen, hatte allerdings Probleme bei der Beantragung einer Konzession.

 Im Folgenden soll nun aufgezeigt werden, wie die Telekom trotzdem am Markt partizipiert und worauf Tipper bei der Wahl eines Wettanbieters achten sollten.

Gesetzliche Regelungen und Probleme in Deutschland

Das maßgebliche Regelwerk für das Glücksspiel in Deutschland ist der sogenannte Glücksspieländerungsstaatsvertrag (GlüÄndStV) (näheres dazu hier), der zuletzt im Jahr 2012 verändert wurde. Dieser enthält in Bezug auf Sportwetten folgende Eckpunkte:

  • Grundsätzlich sind Glücksspiele im Internet verboten
  • Für Sportwetten gibt es aktuelle eine 7jährige Ausnahme vom staatlichen Monopol (Experimentierphase)
  • Es sollen bis zu 20 Konzessionen an Sportwetten-Anbieter vergeben werden

Dass diese Eckpunkte der Grund für zahlreiche Rechtsstreitigkeiten sein könnten, hätte bei der Verabschiedung niemand für möglich gehalten. Das Vergabeverfahren für die 20 Konzessionen begann im August 2012 unter der Führung des hessischen Innenministeriums. Da jedoch bei der Vergabe einige namhafte Anbieter von Sportwetten leer ausgingen, zog dies sehr schnell juristische Streitigkeiten nach sich. Das Ergebnis ist eine weitgehende Rechtsunsicherheit, da die Vergabe der Konzessionen immer noch nicht abgeschlossen werden konnte. Die Telekom wollte nicht länger warten und hat mittlerweile einen Anteil von 64% der Deutsche Sportwetten GmbH (DSW) erworben, die mit einer österreichischen Lizenz arbeitet.

Mit welchen Lizenzen arbeiten Sportwetten-Anbieter heute?

Da in Deutschland nach wie vor keine Konzessionen für Sportwetten-Anbieter nach dem Glücksspieländerungsstaatsvertrag erteilt wurden, agieren fast alle Unternehmen in einer juristischen Grauzone. Dabei berufen sie sich auf verschiedene Regelungen, die nun kurz skizziert werden:

1. Alte Lizenzen aus DDR-Zeiten

Einige kleinere Sportwetten-Anbieter arbeiten tatsächlich noch mit alten Lizenzen, die aus den letzten Tagen der DDR stammen. Solange die neue Konzessionen nicht vergeben werden, wähnen sich die Anbieter in Sicherheit. Absolute Rechtssicherheit gibt es diesbezüglich allerdings nicht.

2. Noch gültige Konzessionen aus Schleswig-Holstein

Als im Jahr 2012 der Glücksspieländerungsstaatsvertrag ins Leben gerufen wurde, hat sich das Bundesland Schleswig-Holstein diesem Regelwerk nicht unterworfen und ein eigenes Glücksspielgesetz ins Leben gerufen. Auf Basis dieses Gesetzes wurden über 20 Konzessionen an verschiedene Anbieter erteilt. Da diese eine mehrjährige Laufzeit haben, sind sie nach wie vor gültig. Ein Urteil des EuGH (Az.: C-156/13) hat zuletzt bestätigt, dass Schleswig-Holstein mit der regionalen Regelung nicht gegen das allgemeine Verbot verstoßen habe.  

3. Die Dienstleistungsfreiheit in der EU

Eine weitere Option ist aktuell der Bezug zur Dienstleistungsfreiheit innerhalb der EU, die in Artikel 56 des Vertrags über die Arbeitsweise der EU (AEUV) geregelt ist laut dejure.org. Demnach dürfen Dienstleistungen von Unternehmen aus einem EU-Land in einem anderen EU-Land grundsätzlich nicht beschränkt werden.

 

Die von der Telekom erworbene DSW wurde einst von der Österreichischen Sportwetten GmbH (ÖSW) gegründet, die zudem immer noch am Unternehmen beteiligt bleibt. Als Kooperationspartner ermöglicht der Wettanbieter der Telekom den Einstieg in den deutschen Markt mit einer österreichischen Lizenz. Es bleibt abzuwarten, ob bei der endgültigen Vergabe der Konzessionen die DSW eine entsprechende Lizenz erhält.

Was bedeutet das Chaos für Sportwetten-Begeisterte?

Da die neuen Konzessionen noch nicht vergeben wurden, können Tipper heute auf eine ganze Reihe an Anbietern zurückgreifen. Doch natürlich ist hierbei auch eine gewisse Vorsicht geboten. Die Sportwetten-Anbieter unterscheiden sich nicht nur hinsichtlich der Wettquoten, sondern auch in vielen anderen Bereichen, wie ein großer Vergleich auf Fussball-Wetten.com zeigt:

  • Die Vertrauenswürdigkeit des Anbieters ist ein sehr wichtiger Faktor
  • Der Kundenservice sollte bei Problemen gut erreichbar und hilfsbereit sein
  • Der Umfang der Wettmöglichkeiten stellt ebenfalls ein Entscheidungskriterium dar
  • Einzahlungen und Auszahlungen sollten auf verschiedenen Wegen möglich sein
  • Ein Wettbonus für Neukunden ist heute keine Seltenheit
  • Die Kundenfreundlichkeit der Webseite sollte beachtet werden

Anhand dieser Faktoren sowie der angebotenen Wettquoten können Tipper für sich den passenden Anbieter heraussuchen. Durch die Rechtsunsicherheit in Bezug auf die Konzessionen ist es jedoch denkbar, dass der eine oder andere Sportwetten-Anbieter nach der Entscheidung vom Markt verschwindet. Grundsätzlich ist diesbezüglich jedoch noch nichts entschieden und es wird aktuell sogar diskutiert, die Konzessionen-Vergabe noch einmal von vorn zu beginnen.

Welche Faktoren sind für die Vergabe einer deutschen Konzession besonders wichtig?

Wenn ein Sportwetten-Anbieter in Deutschland eine Konzession erwerben möchte, muss er nachhaltig sicherstellen, dass er über ein geeignetes Präventionssystem in Bezug auf Spielsucht, Einsatzkontrolle und Betrug verfügt. Diese Punkte werden sehr ernst genommen und stellen mitunter eine Art KO-Kriterium dar. Aus diesem Grund setzen die Anbieter bei Online-Sportwetten heute auf automatische Kontrollsysteme, die bei Unregelmäßigkeiten Alarm schlagen. Darüber hinaus besteht oftmals die Möglichkeit, die Wetttätigkeit einzelner Spieler zu begrenzen, wenn Anzeichen auf eine Spielsucht bemerkbar sind.

Fazit

Die Telekom hat mit der Mehrheitsbeteiligung an der DSW mittlerweile also die Möglichkeit genutzt, am deutschen Markt für Sportwetten zu partizipieren. Mit der ÖSW als Kooperationspartner kann im Rahmen der Dienstleistungsfreiheit innerhalb der EU eine österreichische Wettlizenz genutzt werden, um hierzulande Sportwetten anzubieten. Das große juristische Gerangel und die Grauzone in Deutschland sind aktuell Faktoren extremer Rechtsunsicherheit, die auch negative Folgen für die Spieler haben können. Niemand weiß genau, welche Anbieter nach der Vergabe der Konzessionen verbleiben und welche juristischen Schritte dies wieder nach sich ziehen wird. Somit bleibt momentan nur der Vergleich der aktuellen Sportwetten-Anbieter, um für sich als Spieler interessante Quoten herauszuholen und einen rundherum seriösen Anbieter zu nutzen.

 

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