Bärbele- und Klausentreiben…

... zwei Brauchtümer, die direkt aufeinander folgen und im Allgäu nicht wegzudenken sind. Zu Beginn der Vorweihnachtszeit treiben junge Männer und Frauen böse Geister von dannen.

zu den Terminen 2016

Zu Beginn des Winters, wenn die Tage kürzer werden, die Temperaturen sinken, werden im Allgäu Bräuche zum Leben erweckt, die jedes Jahr die Menschen in ihren Bann ziehen. Dazu gehört das Klausentreiben am Nikolaustag, ebenso wie das Bärbeletreiben zwei Tage zuvor. Beim Klausentreiben ziehen junge Männer, verkleidet mit Tierfellen, durch die Straßen, vertreiben böse Nachtgeister. Ein sehenswertes Schauspiel, bei dem man aber doch mit dem ein oder anderen kleinen Hieb mit der Rute aus Weidenästen rechnen muss.

Bärbeletreiben: junge Frauen in schaurigen Masken
Das Bärbeletreiben findet immer am 4. Dezember statt, am Namenstag der heiligen Barbara. Im Allgäu und am Rhein war dieser Tag der eigentliche Gabentag für die Menschen, der später dann auf Nikolaus verschoben wurde.

Die Bärbele im Allgäu tragen Fetzengewänder, Masken und Besen. Oft sind diese Kleidungsstücke aus dem Fundus der Ahnen und Großmütter -  alte Kittelschürzen oder das Kopftücher. Diese Gewänder sind somit auch eine Huldigung an die Ahninnen jeder Frau, die mitläuft.  Junge „Fehla“, also unverheiratete Mädchen und junge Frauen, ziehen geräuschvoll durch die rauhen Winternächte und vertreiben symbolisch die Geister und Dämonen der dunklen Winterszeit.

Klausentreiben: nun sind die Männer dran!
Das Klausentreiben ist ein überlieferter Brauch im Alpenraum, bei dem am 5. oder auch 6. Dezember junge Männer verkleidet und vermummt mit Ruten auf den Straßen der Stadt oder des Dorfes die Schaulustigen schlagen und dabei viel Lärm veranstalten.
Der Ursprung des Brauches ist umstritten. Einige Autoren führen ihn zurück auf Umzüge aus heidnischen Zeiten, angeblich keltischen Ursprungs, mit dem Ziel, böse Geister und Dämonen in den langen und dunklen Nächten des Winters zur Zeit der Rauhnächte auszutreiben. Dabei verkleideten sich die ledigen Burschen mit Fellen aller Art und banden sich Schellen und Ketten um den Leib, um so mit möglichst viel Lärm in der Nacht durch die Orte und die Häuser zu poltern. Nach der Abschaffung der heidnischen Bräuche mit der Christianisierung seien diese Umzüge angepasst und auf den Nikolaustag gelegt worden.

Die Entstehungsgeschichte des Brauches

Diskutiert wird aber auch die Entstehung dieses Brauches im Mittelalter im Zusammenhang mit der Verschmelzung der Bischofsspiele der Jugendlichen und dem Umzug des Nikolaus von Myra am 6. Dezember, der meistens von mehreren Teufelsgestalten begleitet wurde. Dieser Brauch wurde nämlich in mehreren Regionen Klausen genannt, auch im süddeutschen Raum. Diese Teufel waren ebenfalls mit Fellen vermummt und maskiert. Der Name Klaus ist eindeutig von Nikolaus abgeleitet, auch wenn die Klausen als Teufelsgestalten eine Gegenfigur zum Nikolaus darstellten. Eine direkte Verbindung der Nikolausumzüge und des Klausentreibens mit heidnischem Brauchtum, das im Mittelalter bereits jahrhundertelang nicht mehr ausgeübt wurde, lässt sich nicht durch Quellen belegen und ist daher Spekulation. Das Klausentreiben wurde im Alpenraum im 20. Jahrhundert neu belebt.

In den Nächten rund um Nikolaustag am 6. Dezember verkleiden sich Männer mit Fellen unterschiedlichster Art und tragen zudem einen fellbedeckten Helm den meist Hörner zieren. Zum so genannten "Häß" gehören auch Schellen, die den furchteinflößenden Eindruck durch ihren Lärm noch verstärken. So verkleidet halten die Klausen dann, angeführt vom Oberklaus, Einzug auf dem Marktplatz oder ziehen, wie in manchen Gemeinden ebenfalls üblich, in kleinen Gruppen von Haus zu Haus um dort durch ihr wildes Treiben die bösen Geister des Winters und der Dunkelheit zu vertreiben...

Fotos: Ferienhof Keller (3); Werbewind GmbH (1)